Eine Geburtsgeschichte von 1919, niedergeschrieben von einem frisch gebackenen, stolzen Vater

Wie war es vor fast 100 Jahren, Vater zu werden? Hier kannst du Hildings fantastische Geburtsgeschichte über den Tag lesen, als sein erstgeborener Sohn Björn zur Welt kam. Robin, der Urenkel des Verfassers, fand die Niederschrift in diesem Jahr – gerade, als er selbst zum ersten Mal Vater wurde.

BABYBJÖRN Magazin – Tagebuch mit der Geburtsgeschichte von 1919, niedergeschrieben von einem Vater.
Hildings Tagebuch mit der Geburtsgeschichte von 1919.
Foto: Robin Karlsson

Geburtsgeschichte: meine schnelle Geburt im Auto

Ich möchte versuchen, mit einigen kurzen Worten die Ankunft unseres Erstgeborenen zu beschreiben. Das Wetter war herrlich, klarblauer Himmel, ein richtiger Altweibersommer. Schon am Abend vor diesem denkwürdigen Tag spürte Elsa kleine kurze Wehen und wir scherzten darüber, daß es nun nicht mehr lange dauern würde, bis „der Junge“ zur Welt käme. Denn für uns war klar, daß es ein „Knabe“ werden würde. Manchmal, wenn wir darüber sprachen, was es werden würde, waren wir unsicher, ob wir von dem Kleinen als weiblichem oder als männlichem Wesen sprechen sollten, aber im Laufe der Zeit wurde es für uns zur Gewohnheit, von „ihm“ zu sprechen. Die Wehen waren indes sehr schwach, sodass wir nicht glaubten, daß schon Gefahr im Verzug sei.

Unsicher, ob wir von dem Kleinen als weiblichem oder als männlichem Wesen sprechen sollten.

Am nächsten Tag (dem 15. September) gegen 10 Uhr kamen sie allerdings mit neuer Kraft zurück. Freilich nicht so schlimm, als daß Elsa nicht noch ein paar Besorgungen machen konnte. Unter anderem kaufte sie Preiselbeeren, die sie am Vormittag sogar noch einkochte. Beim Mittagsmahl um 12 Uhr sagte sie mir, daß es jetzt wirklich weh tue. Gegen 1 Uhr wurde es noch schlimmer. Da rief ich meine Schwester Elna an und fragte sie, was nun zu tun sei und ob sie vielleicht gleich kommen könnte. Sie sagte, sie würde sofort kommen, was sie auch tat.

Geburtsgeschichte: eine Hausgeburt

Es ist ein properer Knabe.

Als sie kam und Elsa sah, sagte sie mir, daß es nun bald so weit sei. Ich glaubte nicht, daß es so schnell gehen würde. Gegen 2 Uhr ging ich hinunter in die Fabrik, nachdem ich das Bett nebst Betttüchern vom Boden heruntergetragen hatte.

Um 4 Uhr 20 rief Elna an und gratulierte mir.

„Es ist ein properer Knabe.“

„Was in aller Welt sagst du da. Das kann nicht wahr sein, mit solchen Dingen scherzt man nicht!“

Wahr war es indes allemal. Und als ich augenblicklich nach Hause lief, sah ich dort Elsa glücklich lächelnd liegen und unser Bub lag neben ihr. Björn wurde um 4 Uhr 10 am Nachmittag geboren und wog 2650 g.

Er war kein besonders schöner Anblick.

Er war kein besonders schöner Anblick, aber sowohl Elna als auch Frau Axelsson beteuerten, er sei hübscher als Kinder für gewöhnlich seien. Die Geburt selbst war ungewöhnlich schnell verlaufen. Die üblichen Schmerzen waren indes eingetreten. Elsa will darüber nicht so viel sprechen, aber was ich den Gesprächen der Frauen entnehmen konnte, waren sie wohl erträglich gewesen. Jetzt, um 12 Uhr in der Nacht sitze ich hier und wache über meine liebe Frau und meinen großen Sohn.

Unser Sohn wurde am 18. Oktober 1919, unserem dritten Hochzeitstag, auf den Namen Björn Åke Hilding getauft.

Geburtsgeschichte: Unser frühgeborenes Wunder

BABYBJÖRN Magazin – Familienbild von 1921 mit Elsa, Hilding, Björn und Solveig.
Elsa und Hilding mit dem Sohn Björn und Elsas kleiner Schwester Solveig 1921.

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BABYBJÖRN Magazin – Familienbild von Robin und seinem Sohn Elliot.

Robin Karlsson

Alter: 32

Familie: Lebensgefährtin Petra und Sohn Elliot.

Über Hilding und seine Familie:

Hilding war Gründer und Direktor der Aktiengesellschaft De förenade Kemiska Fabriker, die Zahncreme, Backpulver, Leim und Fruchtsalz herstellte. Solange die Kinder klein waren, blieb Elsa zu Hause, später jedoch arbeitete auch sie in der Fabrik. Zur Familie gehörte auch noch der jüngere Sohn Ulf sowie Elsas kleine Schwester Solveig, die wie eine Schwester von Björn und Ulf aufwuchs.

Vater werden damals und heute:

Ich bin selbst vor kurzem Vater geworden, und das macht Hildings Geschichte noch interessanter für mich. 1919 war es selbstverständlich, dass der Vater bei der Geburt nicht dabei war. Mir tun die Männer etwas leid, die dies nicht erleben konnten. Die Geburt war für mich ein großartiges Erlebnis, beängstigend und fantastisch zugleich. Und sie hat mir einen ganz neuen Respekt und eine Bewunderung für meine geliebte Petra – und alle anderen Frauen, die Kinder geboren haben – gegeben, die ich nicht missen möchte. Hilding hingegen musste sich damit begnügen, ein paar praktische Dinge zu organisieren, und ich glaube, aus seinen Aufzeichnungen zu lesen, dass er das auch etwas schade fand. Er ist ja so offensichtlich stolz auf seine „liebe Frau“ und seinen „großen Sohn“, als die Geburt vorbei ist.