„Ich habe mich nie so unzureichend gefühlt“

Die erste Zeit als Vater war schwerer, als Pierre sich das hat vorstellen können. Heute ist er 29 und hat gerade sein zweites Kind bekommen. Hier ist seine Geschichte.

BABYBJÖRN Magazin – Dadstories: Hier hält Pierre seine Tochter Olivia im Arm.
„Mich hat nie jemand gefragt, wie ich mich dabei fühle. Die Hebamme sprach nur mit meiner Frau. Ich war unsichtbar.“ So fühlte sich Pierre am Anfang.
Foto: BabyBjörn

Ich dachte, dass es eine größere Veränderung im persönlichen Bereich sein würde. Indem ich Vater werde. Doch ich habe schnell gemerkt, dass ich kein anderer Mensch geworden bin, nur weil ich ein Kind bekommen habe. Ich bin immer noch Pierre. Ich liebe immer noch Basketball, Sneaker, Musik. Vielleicht sind diese Dinge nicht mehr ganz so wichtig wie früher, doch meine Persönlichkeit hat sich nicht verändert. Ich bin immer noch ich – und ein wenig mehr.“

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„Das erste Jahr war wahnsinnig schwer. Er schrie und schrie, doch ich konnte ihn nur wenig trösten. Es war Mama, die zählte. Ich war nicht genug und es war schwer, mit diesem Gefühl zurechtzukommen. Helfen zu wollen und alles zu machen – und doch nicht genug für mein Kind zu sein. Ich habe mich nie so klein gefühlt. Es wurde besser, als ich in Elternzeit ging. Da haben wir beide eine eigene Beziehung aufgebaut.“

Es wurde besser, als ich in Elternzeit ging. Da haben wir beide eine eigene Beziehung aufgebaut.

Mein Großvater war für mich immer ein großes Vorbild. Er hat mich immer in die Vorschule und die Schule gebracht und abgeholt. Jeden Tag, bis in die Oberstufe.

Meine Großeltern sind in den 1950ern hierher gezogen. Er war ein bedeutender Arzt, in seinem Heimatland Ungarn und hier in Schweden. Ich erinnere mich noch an seine Umarmungen. Wie sich sein Pullover auf der Haut anfühlte. Ich war 17, als er starb. Ich schrieb einen Text für seine Beerdigung.“

BABYBJÖRN Magazin – Dadstories: Vater Pierre mit seinen beiden Kindern, die Tochter im Arm und den Sohn daneben.
„Ich habe schnell gemerkt, dass ich kein anderer Mensch geworden bin, nur weil ich ein Kind bekommen habe. Ich bin immer noch Pierre.“
Foto: BabyBjörn

Ich wollte immer Kinder haben. Ich konnte mich immer als Vater sehen. Dennoch brauchte ich eine Weile, um mich an den Gedanken zu gewöhnen, als es wirklich ernst wurde. Der blaue Strich, ihr wisst schon. Ich war der erste unter meinen Freunden, der Vater wurde. Es wäre schön gewesen, mit jemand darüber reden zu können. Jetzt bin ich 29 und habe zwei Kinder. Das ist echt cool.“

Der blaue Strich, ihr wisst schon.

Ich hoffe, meine Kinder ermuntern und bei ihren Entscheidungen unterstützen zu können. Ganz gleich welchen Weg sie einschlagen. Meine ganze Familie besteht aus Akademikern, Oberärzten, Professoren, Literaturwissenschaftlern. Der Druck auf mich, etwas „Richtiges“ zu werden, war groß. Ich weiß nur zu gut, was es bedeutet, in eine Laufbahn gezwungen zu werden, die man nicht selbst gewählt hat.

Andererseits möchte ich, dass sie alle Werkzeuge in die Hand bekommen. Die Möglichkeit, frei zu wählen. Das möchte ich meinen Kindern mitgeben: den Glauben an sich selbst. Dass sie alles erreichen können. Ich möchte sie dazu ermuntern, das zu verstehen.“

Text: Katarina Gröndahl

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Pierre Weintraub

Vater von Olivia, 7 Wochen, und Lukas, 3 Jahre.

Alter: 29

Wohnort: Göteborg (Schweden)

Arbeit: DJ, sammelt Sneaker, betreibt einen Club und jobbt als Verkäufer

Das Schwerste am Vaterdasein: „Lukas ist so redewandt. Man vergisst leicht, dass er noch so klein ist. Er kann sich gut ausdrücken und verwendet schwierige Wörter. Oft denke ich frustriert: ‚Aber wir haben es doch besprochen – warum verhältst du dich wie ein Kind?‘ Dann fällt mir ein, dass er gerade mal drei Jahre alt ist.“