Geburtsgeschichten: eine Hausgeburt

Amélie aus Frankreich hat es nicht bis ins Krankenhaus geschafft, weil ihr Sohn Baptiste plötzlich beschloss, zu Hause auf dem Sofa zur Welt zu kommen. Lies ihre spannende Geburtsgeschichte über eine ungeplante Hausgeburt.

BABYBJÖRN Magazin – Yannick küsst Amélie auf die Stirn, nachdem sie ungeplant zu Hause entbunden hat.
Amélie hatte nicht vor, zu Hause zu entbinden, doch plötzlich war nicht genug Zeit, um ins Krankenhaus zu fahren.
Foto: Privat

Hier ist meine Geburtsgeschichte über eine Hausgeburt

Ich war mit meinem zweiten Kind schwanger und noch zehn Tage vor dem errechneten Geburtstermin. Wir waren bei einer Raclette-Party bei Freunden, als ich plötzlich kräftige Presswehen bekam. Mein Mann Yannick, ein Feuerwehrmann, fuhr mich am Abend des 25. September 2016 ins Krankenhaus.

Eine Stunde später hatten sich die Wehen beruhigt und wir fuhren wieder nach Hause.

Meine Wehen waren regelmäßig und der Muttermund war 2,5 cm offen, so dass man in der Klinik meinte, dass ich in den Kreißsaal sollte, um eine Epiduralanästhesie zu erhalten. Doch ich lehnte ab, weil ich ohne Schmerzlinderung gebären wollte. Mir wurde dann ein Platz in einem Raum für „natürliche“ Geburten angeboten, in dem ich mich entspannen und ein Bad nehmen konnte. Das nahm ich gern an. Eine Stunde später hatten sich die Wehen beruhigt und wir beschlossen, wieder nach Hause zu fahren.

Lies Emmas Geburtsgeschichte über eine Frühgeburt in der 26. Woche

Am nächsten Tag hatte ich erneut starke, aber unregelmäßige Wehen. Um das Ganze etwas zu beschleunigen, begann ich die Wohnung zu putzen, und am Abend gingen wir in der Nähe des Krankenhauses einkaufen. Yannick meinte, dass wir zur Geburtsstation fahren sollten, weil die Wehen so stark waren, doch ich lehnte ab, weil sie immer noch nicht regelmäßig waren (15 Minuten, 8 Minuten…). Stattdessen fuhren wir nach Hause und ich nahm ein Bad, um zu sehen, ob die Wehen wie am Abend zuvor abnehmen würden.

Plötzlich begriff ich, dass wir es nicht bis ins Krankenhaus schaffen würden.

Eine Viertelstunde später, um 21.20 Uhr, platzte die Fruchtblase, als ich in der Badewanne lag. Ich rief Yannick und wir bereiteten uns für die Fahrt ins Krankenhaus vor. Die Wehen wurden intensiver und waren jetzt regelmäßig. Ich konnte nicht mehr gehen. Yannick rief meinen Vater an, dass er kommen und sich um unsere Tochter kümmern sollte. Er wohnt 20 Minuten von uns entfernt, so dass wir etwas warten mussten.

Fünf Minuten später mussten wir einen Nachbarn anrufen, weil wir nicht mehr auf meinen Vater warten konnten. Plötzlich begriff ich, dass wir es auch nicht mehr bis ins Krankenhaus schaffen würden, das 20 Minuten mit dem Auto entfernt lag. Yannick rief daher seine Kollegen von der Feuerwehr an und half mir, mich aufs Sofa zu legen. Als mein Vater auftauchte und sah, was geschah, verstand er, dass ich zu Hause entbinden würde, und ging mit unserer Tochter in ihr Zimmer.

Anna: „Als Erstgebärende sagten mir alle, dass ich bestimmt über den Geburtstermin hinaus warten müsste.“

BABYBJÖRN Magazin – Große Hektik im Wohnzimmer, als Amélie plötzlich zu Hause entbinden muss.
Feuerwehr und Krankenwagen waren einige Minuten nach der Hausgeburt des Sohns vor Ort.
Foto: Privat

Ich konnte schon den Kopf des Kindes spüren und wollte wirklich pressen. Yannick schaffte es gerade, einige Handtücher herbeizuholen, und nach zwei- oder dreimal Pressen war unser Sohn geboren. Nach drei oder vier Minuten kamen die Feuerwehrmänner und kurz danach der Krankenwagen. Es war ein fantastischer Augenblick, den ich mit meinem Mann teilen konnte. Unser Sohn Baptiste, der es sehr eilig hatte, uns kennenzulernen, wurde am Dienstag, 26. September, nach 25 Minuten um 21.45 Uhr geboren.

BABYBJÖRN Magazin – Sohn Baptiste wird nach der Geburt in Aluminiumfolie gehüllt.
Amélies und Yannicks Sohn wurde in 25 Minuten zu Hause auf dem Sofa geboren.
Foto: Privat

Wenn ich zurückblicke, begreife ich, wie viel Glück ich hatte, dass Yannick an meiner Seite war, als ich plötzlich zu dieser Hausgeburt gezwungen war. Und er war dabei, als Baptiste geboren wurde! Obwohl er bei der Feuerwehr ist, hatte er bis dahin noch nie bei einer Geburt geholfen. Er war ungeheuer froh und dankbar, dass er unserem Sohn auf die Welt geholfen hat. Und Baptiste war seit über 30 Jahren der erste, der in unserem Dorf zu Hause geboren wurde…

Text: Amélie Guédon

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BABYBJÖRN Magazin – Geburtsgeschichten: eine Hausgeburt

Amélie Guédon

Ich wohne mit meinem Mann Yannick und unseren beiden Kindern Alice, 2,5 Jahre, und Baptiste, 6 Monate, in Pas-de-Calais (Frankreich). Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht daran denke, wie unser Sohn auf die Welt kam. Wenn wir noch ein drittes Kind bekommen sollten, würden wir es zweifellos genauso machen, aber gern mit Hilfe einer Hebamme.