Wann lernt ein Baby laufen?

Die ersten Schritte des Babys sind für viele Eltern ein langersehntes Ereignis. Der Arzt und Kinderorthopäde Göran Kendorf erläutert die faszinierende Entwicklung vom Krabbel- zum Laufstadium.

BABYBJÖRN Magazin – Wann lernt ein Baby laufen? Ein Baby, das laufen lernt.
 
Foto: Johnér

Wenn ein Baby gelernt hat, sich durch Krabbeln vorwärtszubewegen, wartet schon die nächste Herausforderung – sich aufzustellen und dann zu laufen.

Die motorische Entwicklung hat natürlich bereits an den ersten Tagen im Leben des Babys begonnen, doch erst, wenn das Baby krabbeln oder vorwärtsrobben kann, ist die große „Befreiung“ geschafft. Befreiung heißt nicht, dass das Kind von nun an ohne seine Eltern sein möchte, sondern es heißt, dass es sich motorisch so weit entwickelt hat, dass es für die nächsten Schritte bereit ist.

Zwei Entwicklungsschritte, die zumeist gleichzeitig eintreffen.

Was passiert nach dem Krabbelstadium? Göran Kendorf berichtet, dass das Krabbeln und das selbstständige Sitzen zwei Entwicklungsschritte sind, die zumeist ungefähr gleichzeitig eintreffen.

„Ein Kind, das bald laufen soll, versucht sich zumeist mit Hilfe des Oberkörpers – also mit Armen und Händen – aus dem Sitzen aufzurichten, um danach die motorischen Fähigkeiten in Beinen, Hüften und Füßen zu entwickeln. Auf gleiche Weise wie beim Krabbeln geschieht die Entwicklung schrittweise vom Kopf bis zu den Füßen.“

Vom Stehen zum Gehen

Es muss viel zusammenkommen, damit ein Baby, das sich hochgezogen und aufgestellt hat, seine ersten Schritte laufen kann. Göran Kendorf berichtet:

„Es gibt Babys, die bereits mit acht Monaten stehen können. Doch dann schaukeln sie vor und zurück, um das Gleichgewicht zu finden.

Einen Fuß vor den anderen zu setzen, erfordert die Aktivierung von vielen Muskeln. Viele davon sind autonom und werden daher über das Hirn gesteuert, ohne dass wir darüber nachdenken müssen.

Die Fähigkeit zu stehen stellt sich in der Regel zwischen dem achten und zehnten Monat ein. Das Laufen kann zwischen dem 9. und 18. Lebensmonat variieren, ohne dass es unnormal wäre.“

Wie fördert man das Laufen beim Baby?

Eltern möchten die Entwicklung ihres Babys gern erleichtern oder sogar beschleunigen. Wie kann man einem Baby helfen, das dabei ist, laufen zu lernen? Göran Kendorf:

„Wenn man das Kind unterstützen möchte, gibt es Lauflernwagen und ähnliche Hilfsmittel. Doch man sollte daran denken, dass sie nicht für alle Kinder geeignet sind. Manche Babys stehen einfach da und fangen dann plötzlich mit ihren Eltern zu laufen an. Wie immer sollte man einen Weg wählen, der sich ganz nach dem richtet, was das Kind anscheinend mag.“

Wenn die Zeit vergeht und das Kind nicht zu laufen beginnt.

Wenn die Zeit vergeht und das Kind nicht zu laufen beginnt, empfiehlt Göran Kendorf, sich an den Kinderarzt zu wenden. Das kann hoffentlich zur Beruhigung beitragen. Und wenn man doch weitere Unterstützung braucht, können Kinderärzte wichtige Tipps und Empfehlungen geben.

Kinder, die laufen lernen sollen, müssen in der motorischen Entwicklung weit genug sein, um das Gleichgewicht zu halten und einen Fuß vor den anderen zu setzen, erklärt Kendorf.

Wann dies erreicht ist, kann sehr stark variieren. Das Laufen kann wie gesagt zwischen dem 9. und 18. Lebensmonat eintreffen, ohne dass es unnormal wäre. Und nicht zuletzt sorgt die Windel dafür, dass das Kind recht breitbeinig laufen muss – doch das muss nicht immer ein Nachteil sein!

BABYBJÖRN Magazin – Kinderorthopäde Göran Kendorf.
 
Foto: BabyBjörn

Göran Kendorf

Familie: verheiratet, hat sechs Kinder, von denen noch zwei zu Hause wohnen
Beruf: Arzt, Facharzt für Kinderorthopädie, Allgemeinmediziner
Hintergrund: Kendorf ist in einem südlichen Vorort von Stockholm aufgewachsen. Er war früher in der Abteilung für Kinderorthopädie am Astrid Lindgren Kinderkrankenhaus in Solna tätig, wo er sich auf die Behandlung von Hüften und Füßen bei Kindern spezialisierte. Seit 2014 ist er Kinderorthopäde in einer privaten Praxis in der Stockholmer Innenstadt.