Wann lernt ein Baby krabbeln?

Erfahre mehr über die spannende Zeit zwischen den ersten Tagen im Leben deines Kindes bis zum Krabbel- und Rollstadium. Der Arzt und Kinderorthopäde Göran Kendorf erläutert die Entwicklung vom winzigen Bündel bis zu einem Kind, das sich selbstständig vorwärtsbewegt.

BABYBJÖRN Magazin – Wann lernt ein Baby krabbeln? Ein kleines Kind, das krabbeln, rollen und vorwärtsrobben lernt.
 
Foto: Johnér

Göran Kendorf schildert zunächst den ganzen Prozess, der dahintersteckt, wenn sich das Kind zum ersten Mal von selbst vorwärtsbewegt.

„Rein motorisch beginnt es damit, dass das Kind eine bessere Kontrolle über seinen Kopf und die Kopfbewegungen bekommt. Dann setzt sich die Entwicklung abwärts im Körper fort, mit einer besseren Kontrolle über die Arme und zum Schluss die Beine.

Diese motorische Entwicklung läuft während des ersten und zweiten Lebensjahrs ab und führt dazu, dass sich das Kind am Ende ganz von allein fortbewegen kann. Dies ist für die allermeisten Menschen ein Teil ihres Selbstständigwerdens.“

Kopf zuerst

Wenn wir die Entwicklungsschritte einzeln betrachten, dann fängt alles mit dem Kopf an. Der Kopf eines Säuglings macht ungefähr ein Drittel des gesamten Körpergewichts aus.

Im Alter von einem bis zwei Monaten fangen viele Babys an, ihren Kopf anzuheben, wenn sie auf dem Bauch liegen. Dies wird von vielen Eltern als wichtiger Meilenstein in der motorischen Entwicklung erlebt. Das kleine Bündel zeigt klare Anzeichen, dass es die Welt entdecken möchte!

Wenn das Kind den Kopf heben kann, muss es ihn nur noch ausbalancieren, was etwa im Alter von drei bis vier Monaten geschieht.

Für Eltern kann es frustrierend sein, wenn die Zeit vergeht und „alle anderen Babys“ auf dem Bauch liegen und den Kopf anheben, während das eigene Baby keinerlei Absicht zu haben scheint, den sicheren Bodenkontakt aufzugeben.

Doch, wie Kendorf erklärt: „Einige Babys sind etwas kleiner, einige etwas größer, und dies kann Einfluss darauf haben, in welchem Alter etwas geschieht.“

Mein Baby krabbelt nicht

Wenn das Kind nicht krabbelt oder kein Interesse daran zeigt, sich fortzubewegen, kann das die Eltern beunruhigen. Wann fängt man an, Kontakt zur Umwelt aufzunehmen?

Göran Kendorf empfiehlt, sich mit seinen Fragen an seinen Kinderarzt zu wenden. Das kann hoffentlich zur Beruhigung beitragen.

„Sie können sich vertrauensvoll an Ihren Kinderarzt wenden und bekommen bestimmt eine gute Auskunft.“

Das Krabbeln beginnt oft im fünften bis neunten Monat.

Laut Kendorf sollte ein Baby nach zehn bis zwölf Monaten mit dem Krabbeln angefangen haben. Viele Babys fangen zwischen dem fünften und neunten Monat an zu krabbeln. Dann sollte es auch in der Lage sein, ohne Stütze zu sitzen. Krabbeln und selbstständig sitzen sind zwei Entwicklungsschritte, die ungefähr gleichzeitig eintreffen, wenn sich das Gleichgewicht in der Bauch- und Rückenmuskulatur ausreichend entwickelt hat.

„Man muss wissen, dass manche Kinder nie krabbeln. Einige Babys stellen sich sofort auf. Andere robben sich mit ihrem Hinterteil vorwärts. Nichts davon ist unnormal.“

Was das Krabbeln für kleine Kinder bedeutet

Viele Eltern würden sich fragen, ob man erkennen kann, wenn Babys dabei sind, krabbeln zu lernen.

„Ein Zeichen hierfür ist, dass das Kind Ansätze dazu macht, den Rumpf aufzurichten, und versucht, auf die Knie zu kommen. Hierfür braucht es auch die Rücken- und Bauchmuskulatur.“

Wenn du die Entwicklung anregen möchtest, kannst du dein Kind auf den Bauch legen und es versuchen lassen, Spielsachen zu erreichen oder in deine Nähe zu kommen, rät Kendorf.

Ein Kind, das sich drehen kann, ist motorisch zumeist auch dazu in der Lage, sich auf alle Viere zu begeben und zu krabbeln. Die Entwicklung der Beine kommt ganz zum Schluss.

Dabei reagiert das Kind auf verschiedene Reize und möchte sich selbst fortbewegen. Manche Kinder kommen hoch und stehen dann still. Sie versuchen, das Gleichgewicht und die motorische Kraft zu finden, um vor allem die Beine vorwärtszuführen.

Dass zumeist die Arme schon früher dafür bereit sind, kann man daran sehen, dass sich viele Babys mit dem Oberkörper vorwärtsschleppen.

Das Krabbeln ist ein Teil der Befreiung.

Das Krabbeln ist ein Teil der Befreiung, wenn sich das Baby selbst zwischen zwei Orten fortbewegen kann und nicht mehr vollständig abhängig von den Eltern ist. Und was bedeutet diese Befreiung für ein kleines Kind? Göran Kendorf:

„Das bedeutet natürlich nicht, dass das Kind von nun an ohne seine Eltern sein möchte, sondern es heißt, dass es sich motorisch so weit entwickelt hat, dass es für die nächsten Schritte bereit ist.“

Wenn ein Baby gelernt hat, sich durch Krabbeln vorwärtszubewegen, wartet schon die nächste Herausforderung – sich aufzustellen und dann zu laufen! Teil 2: Hier berichtet Göran Kendorf, wie das Baby laufen lernt.

BABYBJÖRN Magazin – Kinderorthopäde Göran Kendorf.
 
Foto: BabyBjörn

Göran Kendorf

Familie: verheiratet, hat sechs Kinder, von denen noch zwei zu Hause wohnen
Beruf: Arzt, Facharzt für Kinderorthopädie, Allgemeinmediziner
Hintergrund: Kendorf ist in einem südlichen Vorort von Stockholm aufgewachsen. Er war früher in der Abteilung für Kinderorthopädie am Astrid Lindgren Kinderkrankenhaus in Solna tätig, wo er sich auf die Behandlung von Hüften und Füßen bei Kindern spezialisierte. Seit 2014 ist er Kinderorthopäde in einer privaten Praxis in der Stockholmer Innenstadt.