Samstags im Herbst – ein Ausflug mit Kindern in den Wald

Laut schreien, frei herumlaufen und so viele Stöcke, Steine und Tannenzapfen sammeln, wie es geht. In unserem zweiten Artikel über die schwedischen Zwillingseltern Joacim und Karolina Winqvist – die Familie Matkoma – geben sie uns Inspiration und gute Tipps für einen Ausflug mit Kindern in den Wald und gutes Essen für unterwegs.

BABYBJÖRN Magazin – Joacim und Karolina, die Familie Matkoma, bereitet ihr Essen genauso gern unterwegs im Freien zu wie am heimischen Herd.
Als unsere Zwillinge 5 Jahre alt waren, durften sie lernen, wie man ein Feuer anzündet und Wasser aus dem See holt.
Foto: Joacim Winqvist

Die Zwillingseltern Joacim und Karolina Winqvist, das Paar hinter dem schwedischen Blog Matkoma, leben in der Nähe des Waldgebietes Änggårdsbergen bei Göteborg. Zu einem typischen Samstag in der Familie gehört fast immer ein Ausflug in den Wald. Und immer mit Picknick!

„Der Wald ist einfach ideal für Kinder“, sagt Papa Joacim. „Es gibt so viel zu sehen und es ist ziemlich ungefährlich. Und es ist einfach schön, wenn man als Erwachsener nicht immer bremsen und herumnörgeln muss. Im Wald können sie frei herumlaufen, klettern, springen und so laut schreien wie sie möchten, ohne dass jemand gestört wird. Dadurch wird die ganze Familie ruhiger.“

Im Wald gibt es so viel zu sehen und es ist ziemlich ungefährlich.

Die Zwillinge Klara und Sixten sind seit ihrer Geburt im Wald mit dabei.

„Im ersten Sommer, als sie ein halbes Jahr alt waren, schliefen sie noch viel im Kinderwagen“, erinnert sich Mama Karolina. „Wir sind abwechselnd Pilze suchen gegangen. Im Herbst haben wir einfach eine Decke ausgebreitet, uns darauf gelegt und zusammen gespielt und gekuschelt. Als sie sitzen konnten, konnten sie Tannenzapfen und Zweigen greifen. Und mit 2 oder 3 fingen sie an, mitzuhelfen, holten mit einem Eimer Wasser aus dem See und sammelten Zweige.“

Teig in der Flasche – einfache Speisen für unterwegs

Mit ihrem Blog Matkoma möchten Joacim und Karolina anderen Familien mit kleinen Kindern Inspirationen für einfache und abwechslungsreiche Speisen im Alltag geben. Doch die Familie Matkoma bereitet ihr Essen ebenso gern im Freien zu wie zu Hause am Herd.

„Draußen zu essen ist fast das Beste am Ausflug“, sagt Karolina begeistert. „Wir haben immer Kaffee und oft auch unser Mittagessen dabei. Entweder schon fertig im Thermobehälter oder wir nehmen unser Campingkochgeschirr mit. Das ist viel einfacher, als viele meinen.“

Die Zwillinge müssen aus ihren Schlafanzügen, und vor elf kommen wir nicht aus dem Haus.

„Wir möchten unser Essen eigentlich vollständig selbst zubereiten, doch im Wald schmeckt alles gut“, versichert Joacim. „Dinge, die wir zu Hause niemals essen würden – wie etwa Kartoffelmus aus der Tüte – schmecken auf einem Baumstumpf auf einer Lichtung ganz einfach toll. Wir sind jetzt darauf gekommen, wie einfach man Pfannkuchenteig in einer Flasche mitnehmen kann. An vielen Seen gibt es feste, angelegte Grillplätze, und eine Pfannkuchenpfanne wiegt nicht so viel im Rucksack.“

„Es gibt erstaunlich viele Speisen und Geschmäcker, die von unseren anspruchsvollen Kindern plötzlich akzeptiert werden, wenn wir nicht am Küchentisch sitzen“, ergänzt Karolina. „Klara liebt inzwischen Pfifferlinge und isst sogar wieder Avocados. Vor einem Jahr war das völlig unmöglich.“

BABYBJÖRN Magazin – Joacim und Karolina Winqvist sind auf dem Land in den schwedischen Regionen Västergötland und Schonen aufgewachsen und immer gern im Wald gewesen, wenigstens für einen kleinen Spaziergang.
Ein Tipp fürs Mittagessen, wenn im Wald feste Grillplätze angelegt sind: Nehmt eine Pfannkuchenpfanne und Teig in der Flasche mit.
Foto: Joacim Winqvist

Samstagsausflug

Fast jeden Samstag steigt die Familie ins Auto und steuert am liebsten einen neuen Ort an, bevorzugt an einem See.

„Wir lassen den Tag ziemlich langsam kommen“, erzählt Karolina. „Die Zwillinge müssen aus ihren Schlafanzügen, die Sachen eingepackt werden und vor elf kommen wir nicht aus dem Haus. Oft haben wir Essen und Kaffee dabei und legen gleich los, wenn wir angekommen sind. Zweige und Äste für das Lagerfeuer sammeln, Feuer machen, mit dem Essen anfangen. Die Kinder helfen mit. Zweige sammeln ist eine ideale Aufgabe für Kinder. Auch für die Eltern ist es gut, dass die Kids was zu tun haben, bevor sich der Hunger meldet.“

Den Wald im Herzen

Joacim und Karolina sind auf dem Land in den schwedischen Regionen Västergötland und Schonen aufgewachsen. Seitdem sie zusammen sind, sind sie immer gern in den Wald hinaus gefahren, um wenigstens einen kleinen Spaziergang zu machen. Seit die Zwillinge da sind, hat das noch zugenommen.

„Ein Ausflug in den Wald ist ja so einfach! Eine Decke, Gummistiefel, ein Päckchen Kekse (oder zwei) und ein zusätzlicher Pullover – mehr braucht man eigentlich nicht, meint Karolina. Und Kaffee! „Ich glaube nicht, dass wir jemals ohne einen Kaffeekorb in den Wald gegangen sind.“

Ich glaube nicht, dass wir jemals ohne Kaffee in den Wald gegangen sind.

„Es ist wunderbar, draußen im Wald zu essen“, sagt Joacim. „Und noch besser ist es mit selbstgepflückten Dingen aus dem Wald. Das Jedermannsrecht hier in Schweden ist einfach toll. Jedermann, der sich in der Natur aufhält, darf Beeren und Pilze sammeln und ein Lagerfeuer machen – den Wald nutzen!“ So kann man die Körbe und Beutel mit Pilzen und Beeren füllen und andere Familien zum Abendessen einladen. Es ist einfach toll, seinen Kindern eine solche Erfahrung bieten zu können.

„Natürlich braucht man ab und zu gewisse Tricks, um sie zu motivieren“, räumt Karolina ein. „Achtet darauf, dass ihr etwas Süßes für die Heimreise in der Tasche habt. Sie sind ja trotz allem immer noch Kinder.“

Verpasse nicht Teil 1, in der sich Familie Matkoma vorstellt und dir zwei Tipps für mehr Spaß am Kochen gibt.

 


Die Top 3 für den Ausflug in den Wald

  • Kaffee und Kuchen! Ich glaube nicht, dass wir jemals ohne Kaffee in den Wald gegangen sind. Nehmt auch etwas Süßes für die Heimreise mit, das ihr aus der Tasche ziehen könnt, damit die Energie für den Rückweg zum Auto und die Rückfahrt reicht.
  • Gummistiefel. Nasse Füße können in fünf Sekunden alles kaputtmachen.
  • Einen zusätzlichen Pullover und mehrere Schichten, damit ihr reagieren könnt, wenn es am See windig ist oder auf der Waldlichtung plötzlich die Sonne sticht.

Top 3 beim Essen für unterwegs

  • Ein Lagerfeuer anzünden und Würstchen grillen
  • Campinggeschirr dabei haben und eine einfache Carbonara machen, Hackbällchen aufbraten und Makkaroni kochen
  • Auf angelegten Grillplätzen: Eine Pfannkuchenpfanne und Teig in der Flasche mitnehmen

 

Text: Katarina Gröndahl

BABYBJÖRN Magazin – Die Familie Matkoma besteht aus Papa Joacim, Mama Karolina und den Kindern Klara und Sixten.
 
Foto: Joacim Winqvist

Die Familie Matkoma

Joacim, 34, Art-Director in einem Werbebüro. Er mag Brot backen, Radfahren und Musik. Karolina 33, Kommunikationsmitarbeiterin in einem Verkehrsunternehmen. Sie mag Kaffee, Do-it-yourself und Yoga. Klara & Sixten, 5 Jahre. Sie mögen Popcorn, Baden und Katze spielen.

Wenn die Zeit nicht ausreicht: „Wenn der Alltag verrückt spielt, empfehle ich zum Abendessen die klassischen Butterbrote. Präsentiere sie als Frühstücksabendbrot – das klingt lustiger. Und auf Sandwichtoasts kann man unter der Käseschicht alles mögliche Gesunde hineinschmuggeln.“

Blog matkoma.se Instagram @matkoma.se

1-2 Jahre. Blaubeeren und Tannenzapfen sammeln macht Spaß und regt die Kinder an.
1-2 Jahre. Blaubeeren und Tannenzapfen sammeln macht Spaß und regt die Kinder an.
Foto: Joacim Winqvist

Kinder im Wald – von 0 bis 6 Jahre

0 Jahre – Nehmt den Kinderwagen mit und lasst die Kinder an der frischen Luft schlafen. Wenn sie etwas größer sind, macht es viel Spaß, eine Decke auszubreiten und mit den Kindern darauf zu liegen.

1 Jahr – Eindeutig das schwierigste Jahr. Die Kinder müssen getragen werden, sie wollen aufstehen und fallen ständig hin. Und doch kann ein üppiger Blaubeerstrauch das Interesse minutenlang fesseln.

2 Jahre – Jetzt sind sie aus eigener Kraft dabei. Blaubeeren und Tannenzapfen sammeln macht Spaß und regt die Kinder an.

3 Jahre – Dreijährige möchten richtig mithelfen! Zweige und Äste fürs Lagerfeuer sammeln und sie auf verschiedene Haufen sortieren beschäftigt die Kleinen, solange das Essen noch nicht fertig ist.

4 Jahre – Jetzt können sie schon etwas „schwierigere“ Beeren in pieksigen Sträuchern suchen, wie zum Beispiel Brombeeren.

5 Jahre – Gebt den Kindern kleine, aber wichtige Aufgaben. Unsere Zwillinge durften lernen, wie man ein Feuer anzündet und Wasser aus dem See holt. Natürlich unter unserer Aufsicht!

6 Jahre – Das perfekte Alter, um verschiedene Pilzarten kennenzulernen: Pfifferlinge, Steinpilze und Stoppelpilze sind unsere Lieblingsarten.